Eine deutlich leichtere Tragstruktur reduziert Fundamentlasten und vereinfacht Transport und Handhabung.
Eine Wand in Leichtstahlbauweise wiegt 15 bis 20 kg pro Quadratmeter. Eine vergleichbare Wand aus Betonblöcken oder Ziegeln wiegt je nach Material und Dicke zwischen 150 und 250 kg pro Quadratmeter. Dieser Unterschied ist kein Detail, er verändert die gesamte Logik des Bauens. Mauerwerk hält, weil es schwer ist – ein Prinzip der Masse und reinen Druckfestigkeit. Eine Leichtstahlkonstruktion hält, weil sie gut konstruiert ist – ein Prinzip der Form und des tragenden Querschnitts.
Konkret werden unsere Profile aus 1 bis 3 mm dicken Stahlblechen kaltgeformt, die zu C-, U- oder Sigma-Querschnitten gekantet werden. Dieses Kanten verwandelt ein einfaches Blech in ein steifes Bauteil, das Biege- und Druckkräfte ohne zusätzliche Dicke oder Masse aufnehmen kann. Es ist dasselbe Prinzip, das es einem ziehharmonikaartig gefalteten Blatt Papier ermöglicht, ein Buch zu tragen, während es flach unter dessen Gewicht zusammenbricht: Die Form ersetzt das Material.
Wir werden oft gefragt, ob diese Leichtigkeit nicht auf Kosten der Festigkeit geht. Die Antwort liegt in der Berechnung, nicht in der Intuition: Jeder Querschnitt wird nach Eurocode 3, Teil 1-3 bemessen, der das Verhalten von dünnwandigen, kaltgeformten Profilen – lokales Knicken, Beulen des Stegs, Lochleibungsfestigkeit – genau regelt. Ein korrekt ausgesteiftes und verbundenes 1,5-mm-Profil ist kein Kompromiss, sondern ein Bauteil, dessen Geometrie für den exakten Verwendungszweck optimiert wurde – nicht mehr und nicht weniger als nötig dimensioniert.
Diese Leichtigkeit ist nicht nur eine technische Kuriosität, sie wirkt sich auf das gesamte Projekt aus. Die Fundamente können für deutlich geringere Lasten ausgelegt werden, was das Volumen von Beton und Erdarbeiten reduziert – ein entscheidender Vorteil auf Böden mit mittlerer Tragfähigkeit oder bei der Aufstockung eines bestehenden Gebäudes, dessen Fundamente und Tragstruktur nicht für ein zusätzliches schweres Stockwerk ausgelegt wurden.
Das Gewicht bestimmt auch die gesamte Logistikkette. Ein LKW transportiert bei gleichem Gewicht mehr nutzbare Struktur, was die Anzahl der erforderlichen Fahrten zu einer Baustelle reduziert. Vor Ort erfolgt die Handhabung manuell: Unsere Wandelemente wiegen jeweils weniger als 100 kg, sodass zwei oder drei Personen sie ohne schwere Kräne positionieren können, selbst bei schwierigen Zugangssituationen, in denen ein Kran gar nicht manövrieren könnte.
Es ist diese Kombination – tragender Querschnitt statt Masse, normgerechte Berechnung statt Intuition, vereinfachte Logistik, manuelle Montage –, die erklärt, warum der Leichtstahlbau nicht nur auf dem Papier „leichter“ ist: Er verändert wirklich die Art und Weise, wie eine Baustelle vorbereitet, berechnet, beliefert und montiert wird, vom ersten Strich des Planungsbüros bis zur letzten Verschraubung vor Ort.


